Sonntag, 16. August 2026

Overstretched

Hüttenkoller in einer globalisierten Welt


Nachrichten über die degenerierenden Zustände an Bord der USS Lincoln reichen von schimmeligen Duschen bis zu Seeleuten die versuchen auf hoher See zu desertieren, in dem sie ins Meer springen wollten. Der Flugzeugträger ist seit neun Monaten im Einsatz gegen die Iranische Republik Iran und auch wenn die USA insgesamt elf Carrier Strike Groups haben, so sind in der Regel nur vier bis fünf davon im Einsatz. Die meisten befinden sich in der Wartung und die Lincoln ist mittlerweile über 35 Jahre alt.

Die US Navy fordert immer mehr Schiffe um ihre globale Hegemonialmacht zu halten und die Trump Administration, trotz aller "America First" Rhetorik, plant für den Haushalt 2027 65.8 Milliarden US Dollar für den Flottenausbau ein unter dem "Golden Fleet" Projekt, in Anleitung an Teddy Roosevelts Great White Fleet, und weil es eben der Kitsch King Donald Trump ist. Ich halte es für ein wahrscheinliches Scenario, dass die Navy dem dementen Donald einfach diesen Plan vorgelegt hat, den vorherige Administrationen abgelehnt haben, ihm geschmeichelt und an sein Ego appelliert hat, und die Navy so ihre Mittel bekam. Amerika will sich deglobalisieren und weniger Soldaten für Europa stellen, wenn die Regierungen dort lieber Sozialhilfe anstatt Streitkräfte finanzieren und dergleichen, doch amerikanische Institutionen werden nicht geleitet von alten MAGA Idioten aus dem Rust Belt, die glauben Deglobalisierung bringt Kohlemine und Fabrikjobs zurück.

Die Welt ist weiterhin Unipolar. Die Lincoln muss eine Lücke schließen die sich durch die Abwesenheit anderer Carrier geöffnet hat, doch sie füllt ihre Funktion aus und die US Navy hat von ihr aus über 10.000 Einsätze geflogen. Der Iran kann stören, doch er kann nicht wirklich seine Macht über die Küste heraus projizieren. Er kann fordern, doch er braucht die Kooperation seiner potentiellen Opfer. Das Resultat wird nicht sein, dass Frachtschiffe den Iran für Passage der Hormusstraße bezahlen, sondern der, dass die Meerenge komplett umgangen und neue Transportwege erschlossen werden, während jeder aus dem Internationalen Dollar System geworfen wird, der den Iranern irgendwas bezahlt. Der Iran wird dadurch so irrelevant werden wie die Seidenstraße.

Für Europa heißt das eigene, ernsthafte Marinekapazitäten zu entwickeln. Verteidigungsminister Pistorius hat vor kurzem den Bau der Fregatte F 126 abgebrochen. Kosten und zeitliche Verzögerungen für das bisher teuerste Projekt der Bundesmarine, wofür man realistisch betrachtet allerdings nur wenig bekommt. Die deutsche Marine hat nie mit den großen Prestigeprojekten anderer westlicher Nationen konkurrieren können und immer auf flexible Nischenkapazitäten gesetzt, wie U-Boote und Handelsstörer. Dinge die in ihrer Anwendung auf prädatorisch sind und nicht dafür, dass ein administrativer Hegemonialanspruch durchgesetzt wird.

Ich glaube nicht, dass auf der Lincoln Zustände herrschen, wie auf der USS Kitty Hawk 1972 oder sowas, doch neun Monate immer mit denselben Leuten zu tun zu haben in stressigen Situationen, wie einem Krieg auf hoher See, bringt manche Leute an ihren Bruchpunkt. Ich kann mir nur denken wie die Situation an Bord der SMS Wolf war während ihrer 451 Tage freien Kaperfahrt, als man nur mit dem Versorgt wurde, was man den anderen abgenommen hat. Das größte Hindernis für staatliche Freibeuterei heutzutage ist eher, dass die Frachtschiffe heute so immense Kapazitäten haben, dass kein Piratenschiff groß genug wäre um Beute zu machen, anstatt den ganzen Frachter selbst zu kapern.

Die größten Containerschiffe heute haben Kapazitäten von über 21.000 standardisierten Frachtcontainern. Deswegen wird der Landtransport in absehbarer Zeit nie preislich mit dem Seehandel konkurrieren können und das chinesische Belt-and-Road Projekt ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, so wie die Seidenstraße vom Schwarzen Schiff der Jesuiten beendet wurde.

Die Türkei versucht gerade die alten ottomanischen Bahnlinien wieder in Betrieb zu nehmen, ein weiteres Projekt bei welchem eine Landmacht versucht sich vom US dominierten Seehandel zu entfernen.

Technical teams from Türkiye, Syria, Jordan and Saudi Arabia have launched fieldwork to revive the historic Hejaz Railway, first built under Sultan Abdulhamid II to connect Anatolia with the holy cities. The project has regained urgency following shipping disruptions linked to the Iran-U.S. standoff over the Strait of Hormuz, with officials aiming to complete the line within three years.

Der längste Containerzug kann 600 standardisierte Container transportieren und im Fall von der Hejaz Linie wäre dieser Transport durch notorisch instabile Regionen, genau wie die Seidenstraße durch Instabile Regionen führen würde, in welchem die Sprengung einer Gleisverbindung zu erheblichen Verzögerungen und steigenden Kosten führt. Und Landverbindungen haben nicht die Flexibilität des Seehandels, dass wenn vor der Küste Somalias Piraten unterwegs sind, man die Region komplett umschiffen kann. Selbst eine solche Verzögerung ist immer noch billiger als der Landweg.




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