Dienstag, 23. Juni 2026

Barbarossa und das Verlangen nach Bedeutung

 
Vor einer Weile ist die Mitgliederkartei der NSDAP von der US Regierung digitalisiert und veröffentlicht worden, was bei deutschen Shitlibs zu einer richtigen Hysterie geführt hat, so würden die Deutschen sich jetzt mit der Nazis in der eigenen Familie beschäftigen.

Was für dummes Zeug.

Erstens sind diese Leute bereits verstorben und viele ihrer Nachfahren wissen nicht mal mehr ihre Namen auswendig.

Zweitens gab es in der deutschen Gesellschaft eigentlich nie dieses angebliche große Schweigen. Wer aus einer Familie kommt mit Nationalsozialisten im Stammbaum lernt das in der Regel bereits als Kind. In meiner Familie ist das auch ganz offen behandelt worden. Freikorps, Sturmabteilung, Tontafeln für Gefallene SS-Männer, das waren alles Dinge die "man halt mal gemacht hat". Mein eigener Vater hat mit dem SA-Dolch Schweine geschlachtet. Meine Mutter hat die Wehrmacht Wolldecke ihres Vaters in der Garage vergammeln lassen. Wenn euch Familiengeschichten wirklich interessieren schaut nicht in die digitale NSDAP Datenbank, sondern redet mit Ärzten die sich Zugang zu der Krankengeschichte dieser Leute beschaffen und euch das erklären können. Das ist viel interessanter und erklärt Motive und Lebensumstände viel besser. Was wissen wir über eine Person von einen Mitgliedsausweis der NSDAP? Eigentlich nichts. Einblicke kriegt man eher wenn man erfährt, dieser Vorfahr hatte selbst einen Vater der mit Gasvergiftung aus dem Ersten Weltkrieg kam. Oder überhaupt nicht zurück. Gefallene ältere Brüder. Oder Brüder die Kommunisten, Sozialdemokraten, Anarchisten waren und sich die Familien darüber zerstritten haben. Der Nachbar einer Großtante von mir wurde aus der SS geworfen, weil sein Vater Kommunist war. Er hat das erst erfahren als sie ihn eben entlassen haben, sich dann in dem Dorf übelst aufgeführt, weil sein Vater das nicht mal erwähnt hatte, denn das war eben auch etwas, das "hat man halt mal gemacht". Dieser Konflikt ist im Laufe des Krieges dann eher verwittert.


Das Cover der 26sten Ausgabe des Spiegels für dieses Jahr gibt einen guten Einblick darin, wie Shitlibs die Nazivergangenheit der deutschen Gesellschaft eigentlich begreifen. Es ist das Nächstbeste was sie an echter Bedeutung finden. Eine Ausgabe zum Jahrestag.
Man sehe sich die anderen Überschriften an. Die besten Tipps für den Sommer? Ein Dorf gegen Merz? Die "Selbstzweifel" eines Sportmoderators? Belangloses Zeug. Doch der eigene Großvater war Teil von Operation Barbarossa? Dem größten Militärbündnis der Menschheitsgeschichte? Gegen Russland, welches heute wieder seine grausame Außenpolitik demonstriert? Gegen diesen Bolschewismus und seine dunklen Mächte ziehen  Und in diesen Räumen kämpft nun unser deutscher Soldat und in ihren Reihen und mit ihnen gemeinsam die Italiener, die Finnen, die Ungarn, die Rumänen, Slowaken, die Kroaten sind im Anmarsch, die Spanier rücken jetzt in die Schlacht, Belgier, Holländer, Dänen, Norweger, ja selbst Franzosen sind eingerückt in diese große Front oder werden es demnächst sein. 
Das ist ja wie der Beginn vom ersten Herr der Ringe Film mit der letzten Allianz die am Schicksalsberg gegen die Orks kämpft. Und das ist auch was diese Shitlibs wollen. Das ist das letzte Mal gewesen als wirklich Dinge von Bedeutung getan wurden. Es ist nicht mal mehr der Grift, oder Stolpersteine putzen, oder so ein Scheiss, es ist wirklich der Ahne der noch immer einen Griff um die Realität dieser bedeutungslosen Nachfahren heute hat wie ein zorniger Geist.

Denn ansonsten ist das Leben dieser Leute ziemlich langweilig.

Moskau wird gerade von den Ukrainern zu Shit geschossen und die Reaktionen seiner Bewohner sind erstaunlich ähnlich zur Wagner Revolte. Es passiert mal wieder was. Russen filmen explodierende Öltanks mit der Kuriosität eines Kindes. Wow, big explosion, blyat. Menschen führen Kriege eben nicht nur wenn sie müssen, sondern oft genug weil sie einfach wollen.


Letztens ist Götz Alys Magnum Opus erschienen; Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945. Ein sehr gutes Buch das beschreibt und kontextualisiert wie das eben alles geschehen konnte mit dem Nationalsozialismus und so. Eine solche Betrachtung der Dinge ist sehr viel produktiver als Shitlibs die einen auf betroffen machen wollen weil seit Opa Erwin keiner mehr was Spannendes erlebt hat.



11 Kommentare:

  1. Offenbacher Anon23. Juni 2026 um 12:49

    Ich hab ein paar Monate vor diesem Medienrummel per Zufall herausgefunden, dass ein Urahn von mir in der Partei war. Hat mich gefreut. Und dann hat mir meine Oma Bilder von ihrem Vater rausgekramt, weil ich mit Nachdruck genach gefragt hab. Was soll ich sagen, da sah ich den Totenschädel blitzen.

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    1. Johan Drakensson23. Juni 2026 um 19:12

      Mein viel zu früh verstorbener Onkel (Gott hab ihn selig), hat mir als Kind stolz den "SS Schatz" seines Vaters, inklusive eines Bildes vom Adi, gezeigt mit den Worten "und des isch unser Führer". Gute Erinnerung.

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  2. Mein Opa war systemrelevanter Ingenieur und hat sich damals geweigert in die Partei einzutreten, Begründung: "Ich geh net zu den Arschlöchern und Alkoholikern". Da hat meine weinende Oma beim Abendessen gemeint "geh doch, sonst schicken die dich in den Krieg" worauf er nur gemeint hat "genau da will ich ja hin wie alle unsere Freunde auch".So wurde es mir überliefert. Kudos und RIP Opa.

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    1. >den Arschlöchern und Alkoholikern

      Ist auch so ein Punkt dass Opposition zu den Nazis ganz selten aus einer politischen, liberalen Position her kam, sondern viel mehr durch Klassendenken und Konservatismus. Bei der Fam meiner Mom halten die Nazis halt als Schwule.

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  3. Vater eines Bekannten wurde kurz vor Kriegsende in die SS eingezogen und wurde gefangengenommen. Jeder der eine schwarze Uniform trug kam direkt nach Sibirien. Er hat nie groß von der Gefangenschaft berichtet. Dagegen waren seine Bekannten die von den Engländern in Kriegsgefangenschaft kamen sehr gut dran. Die mussten dann so Sachen machen wie den Hausnigger im Offizierskasino spielen und den Herren ihre Getränke anreichen.

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    1. Es gab keine schwarzen Felddienstuniformen. Das klingt für mich nach so einer typischen verwaschenen Story die Alte erzählen wenn das Gedächtnis Löcher kriegt.

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  4. Um die Shitlibs mal zu kontextualisieren sind die Vorfahren von Shitlibs oft die Systemträger gewesen, Ärzte und Juristen, und nicht der kleine Sturmmann, so wie Shitlibs heute Systemträger sind.

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    1. Die Nachfahren aus diesen Bildungsbürger High IQ Dynastien sind eher die, die in der Corporate Welt heute Karriere machen. Die sind zwar Systemträger, aber keine Shitlibs.

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    2. @ackschually-anon
      Ich meine nicht die Corporate Welt, ich gebe dir exakte Beispiele, aber du willst den Punkt eher zerreden, weil du ihn nicht mal verstehst. Und was ist überhaupt mehr egalitär, mehr Shitlib als Corporate. Du verstehst wirklich nicht mal was du da redest.

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  5. Also bevor ihr jetzt alle eure Geschichten vom Küchentisch erzählt; das ist nicht was ich meine. Leute ändern ihre Geschichten bei mündlicher Überlieferung immer nach den momentanen Umständen. So ein Boomer hat mir mal erzählt, dass sein Onkel "vom Hitler abgeholt wurde" weil der behindert war, was völliger Quatsch ist da die Familien selbst diese behinderten Mitglieder in die Sanatorien übergeben haben, wo sie dann ermordet wurde. Das wusste jeder und das haben die Leute auch mitgemacht. Wer seine behinderten Angehörigen mit nachhause nehmen wollte der durfte das. Doch stattdessen erzählen die dann hinterher so eine Cock and Bull Story, als wäre der Hitlers Adolf auf seinen Zehenspitzen hereingeschlichen und hätte den Behindi in seinen Krampus Sack gepackt und den Kamin hoch. Pun intended.

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